Regina Schmeken

Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU

12. Juni – 8. September 2019

„Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch
die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige,
Banale und Gewöhnliche unheimlich.“ HANS MAGNUS ENZENSBERGER

 

Als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnete sich eine rechtsextreme terroristische Vereinigung. Innerhalb von sieben Jahren, von 2000 bis 2007, ermordeten Mitglieder des NSU zehn Menschen in verschiedenen deutschen Städten. Die Getöteten waren neun Männer türkischer und griechischer Herkunft, die in Deutschland lebten und arbeiteten, sowie eine Polizistin. Weitere Menschen wurden bei zwei Sprengstoffanschlägen des NSU zum Teil schwer verletzt. Am 4. November 2011 wurde die Tätergruppe aufgedeckt. Angehörige der Mordopfer, Betroffene der Anschläge und die Öffentlichkeit erfuhren erstmals von der Existenz des NSU.

Der Prozess gegen das überlebende Mitglied des NSU begann am 6. Mai 2013 im Oberlandesgericht München und endete am 11. Juli 2018 mit der Verurteilung der Hauptbeschuldigten zu lebenslanger Haft wegen Mittäterschaft und Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung NSU sowie wegen schwerer Brandstiftung. Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt.

Regina Schmekens großformatige Schwarzweißaufnahmen nehmen uns mit an die Tatorte. Sie zeigen die verstörende Normalität der Schauplätze von Hass und Gewalt inmitten deutscher Städte. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf diese Orte, aber auch auf die nationalsozialistische Propagandaformel „Blut und Boden“ und damit auf die Überzeugung der Nationalsozialisten, dass sich ein „gesunder Staat“ auf der Einheit von Volk und Boden gründe. Die Verbrecher des NSU beriefen sich auf diese Ideologie und hielten sich für berechtigt, Menschen zu töten.

Die Ausstellung versucht das Ungeheuerliche der Taten zu reflektieren und macht deutlich: Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürger, es waren Angriffe auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere gesamte Gesellschaft.

„Es fehlt auf jedem Bild der entscheidende Mensch: der hingerichtete Mann, die hingerichtete Frau. Die Fotografin hat diese grauenhafte Leere eingefangen. Dafür gebührt ihr mein Dank.“ FERIDUN ZAIMOGLU

Regina Schmeken fotografiert seit Mitte der siebziger Jahre. Seit 1980 werden ihre Fotografien ausgestellt. Sie erhielt nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem den Dr. - Erich - Salomon - Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie sowie den „Prix de la Critique“ der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles. Schmeken gehört zu den renommiertesten deutschen Fotografinnen der Gegenwart.

Die Fotografien entstanden 2013 und 2015/16.

Während der Sonderausstellung "Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU" vom 12. Juni bis 8. September ist der Eintritt ins Stadtmuseum frei.

Katalog zur Ausstellung:
Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Hrsg. Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden
Texte von Hans Magnus Enzensberger, Barbara John,
Gorch Pieken, Katja Protte, Annette Ramelsberger
und Feridun Zaimoglu
Hatje Cantz Verlag, Berlin 2016
Buchhandelsausgabe (ab 1.6.): 15 €, ISBN 978-3-7757-4158-3

 

nsu 1

Halit Yozgat (21), 06.04.2006, Kassel (c) Regina Schmeken, 2015

 

nsu 2

Mehmet Turgut (25), 25.02.2004, Rostock (c) Regina Schmeken, 2013

 

nsu 3

Enver Şimşek (38), 09.09.2000, Nürnberg (c) Regina Schmeken, 2015

 

nsu 4

Theodoros Boulgarides (41), 15.06.2005, München (c) Regina Schmeken, 2015

     
Veranstaltungen

Dienstag, 25.06.2019, 18 Uhr
Vortrag: Ein Anfang mit Vergangenheit. Das Grundgesetz von 1949 als Antwort
Von Prof. Dr. Michael Stolleis

Montag, 26. August, 18 Uhr
Podiumsdiskussion: Die NSU-Morde und die Rolle des Verfassungsschutzes
Mit Dr. Eva Högl und Nancy Faeser

Mittwoch, 28. August, 18 Uhr
Podiumsdiskussion: Ist das mein Zuhause?
Mit Suna Yildiz, Sibel Ayvaz, Kamil Saygin, Mahmut Eryilmaz und weiteren, Moderation Carsten Höhre.

Eintritt bei allen Veranstaltungen frei